7.
Bildverstärkerröhre
Waren
die ersten Generationen (0. bis 1.) von Bildverstärkerröhren noch
sehr unterschiedlich in ihrer äußeren Form und eher den vielen
verschiedenen Geräten angepaßt, setzte sich ca. ab der 2.Generation
ein modulares Konzept bei vielen Nachtsichtgeräten
durch. Nun wurde die Röhre mit ihrer verkleinerten
Steuerelektronik zusammen als ein Bauteil hergestellt,
so daß die Nachtsichtgeräte für eine standardisierte
Modulgröße ausgelegt werden konnten. Der Vorteil, teuere
optische Geräte jeweils einfach durch den Austausch des Röhrenmoduls
dem Stand der Technik anzupassen, liegt klar auf der Hand.
Neben
wenigen Sondergrößen unter den Bildverstärkerröhren gibt
es heute im wesentlichen zwei Bauformen: Moderne Bildverstärkerröhren
verfügen über eine Arbeitsfläche von
18 mm bzw. 25 mm Durchmesser. Sowohl das Eingangsfenster (die Photokathode)
als auch das Ausgangsfenster (der Phosphorschirm) haben dabei dieselbe Größe.
Aufgrund der Bestrebungen Gewicht und Größe von Nachtsichtgeräten
für exekutive und militärische Anwendungen weiter zu reduzieren,
ohne ihre Leistungsfähigkeit unnötig zu beschränken (je kleiner
die Arbeitsfläche, desto weniger 'Lichtmenge' steht zur Verstärkung
zu Verfügung), haben sich die 18 mm Durchmesser
(entprechend ca. 250 qm Arbeitsfläche) speziell bei den Monokularen
und Nachtsichtbrillen durchgesetzt. Die nahezu doppelte Arbeitsflächengröße
(ca. 500 qm) bei den 25mm-Röhren findet
dagegen z.B. bei Nachtzielgeräten Verwendung.
Bei ihnen kommt es mehr auf Leistung (sozusagen der Ausgleich für eine
vorgeschaltete, lichtschwache Vergrößerungsoptik), als auf Kompaktheit
an.
Gerade
im Bereich der Aviatik werden aus naheliegenden Gründen (schnelle Kopfbewegungen,
Kurvenbeschleunigung im Flug) die kleinsten und leistungsfähigsten Bildverstärkerröhren
hergestellt. Die neuesten Leistungssteigerungen der Röhrentechnik lassen
eine weitere Reduzierung auf 16 mm oder sogar
12 mm realistisch erscheinen. Jedoch wird es
auch weiterhin Sonderformen geben, wie z.B. die veraltete Konstruktion der
dreifach hintereinander geschalteten Röhren der 1.Generation (3-stufige
1.Generation), oder beispielsweise für Nachtsichtbrillen mit stark vergrößertem
Gesichtsfeld.
links:
Schnitt 1.Gen, einstufiges NSG, geringe Aufhellung, in Bildmitte akzeptable
Auflösung
rechts:
Schnitt 1.Gen, dreistufiges NSG, i.d.R. hohe Verstärkung bei geringerem
Kontrast, geringe Auflösung
Die
meisten Nachtsichtgeräte benutzen mittlerweile die 18
mm Nahfokussierungsröhren ('Proximity Image Intensifier'). Obwohl
nur der Einsatz von zwei unabhängigen Röhren in einer Nachtsichtbrille
eine echte Tiefenwahrnehmung (und nebenbei Redundanz gegen Ausfall) liefert,
wird diese Konfiguration aus Kostengründen eher gemieden, da die Herstellung
einer Bildverstärkerröhre sehr kompliziert und aufwendig ist.
Neben
dem sensiblen Aufbringen der Beschichtung der Photokathode und des Phosphorschirms
muss das Kernstück, die Mikrokanalplatte
(MCP), aus insgesamt 12 Millionen Fasern, gebündelt in hexagonaler
Struktur mit herausätzbarem Kern, zusammengestellt werden. Nach dem Ätzvorgang
erhält man eine Platte mit Hohlfasern (sog. Mikrokanälen),
die anschließend noch mit einer elektrisch leitenden
Beschichtung ('Dünnfilmtechnologie') versehen wird. Photokathode,
MCP und Phosphorschirm (ggf. Glasfaserausgang) müssen dabei soweit wie
möglich fehlerfrei hergestellt und in einem Vakuumgehäuse untergebracht,
bzw. versiegelt werden.
Wie
bereits im Funktionsprinzip beschrieben, wird die eigentliche Verstärkungsleistung
(die Vervielfältigung der von den Rest-Lichtteilchen aus der Photokathode
herausgeschlagenen Elektronen) innerhalb dieser Mikrokanäle durch Anlegen
einer Spannung erbracht. Dabei ist es über die (um das Röhrenmodul
angebrachte) Elektronik möglich die Verstärkungsleistung der MCP
zu steuern, indem der Ausgangsstrom ständig gemessen und geregelt wird.
Praktisch bedeutet das eine Anpassung an die tatsächlichen Helligkeitswerte
der Umgebung, um so die Röhre vor zu hohem Verschleiß zu schützen
(ABC-Funktion, Automatic Brightness Control).
Eine andere Funktion moderner Röhren gegen Überblendung (z.B. durch
direkte Punktlichtquellen) innerhalb eines Bereiches des Bildes ist BSP
(Bright Source Protection). Diese Funktion verhindert, daß eine
Punktlichtquelle den Hintergrund oder weite Teile des Bildes überstrahlt
(ohne BSP: Verstärkungsleistung wird heruntergeregelt, so daß ein
großer Bildbereich zu dunkel erscheint). Technisch gesehen hängt
sie von dem 'natürlichem Sättigungsgrad' (d.h. maximaler Ausschüttungsgrad
von Elektronen aus der elektrischen Beschichtung der Mikrokanalinnenwand)
der MCP ab.
Die
beschriebenen Funktionen bringen nicht nur Bildqualitätsverbesserungen,
sondern sorgen auch für eine wesentlich längere
Lebensdauer des modernen Bildverstärkers im Vergleich zu den Röhren
der 1.Generation. Diese wurden de facto wie ein Kondensator per Taster 'aufgeladen'
(i.d.R. kein Dauerbetrieb, kurzes Einschalten reichte aus einige Minuten zu
sehen), um einerseits Strom zu sparen und andererseits eine Beschädigung
durch zu starken Lichteinfall zu vermeiden. Da bei der 1.Generation sogar
schon ein Einschalten im Sekundenbereich bei hellem Licht zu bleibenden Einbrennschäden
führen konnte, wurden teilweise später auch bessere Bildverstärker
der 1.Generation mit einer ABC-Funktion ausgestattet (Vorsicht: Die meisten
sind aber OHNE ABC! Unbewegte Lichtquellen,
bzw. unbewegte Ansichten, können
sich grundsätzlich in allen Generationen
einbrennen - nur eine Frage der Zeit!). Wenn
man von Idealbedingungen ausgeht, d.h. keine direkte Beobachtung von sehr
hellen Lichtquellen, lichtgeschützte Aufbewahrung (auch bei ausgeschaltetem
Gerät kann z.B. direktes Sonnenlicht schnell eine Beschädigung der
Photokathode herrvorrufen) und Vermeidung des Betriebs bei starker elektromagnetischer
Strahlung, kann man bei der 1.Generation mit einer Lebensdauer von ca. 1000-2000
Betriebsstunden rechnen. Per Definition ist am 'Lebensende' der Röhre
dann nur noch ca. 50 % der ursprünglichen Leistung vorhanden und sie
gilt damit als 'verbraucht'. Während bei der 2.Generation die sog. 'Standzeit'
auf ca. 2500-5000 h erhöht wurde, ist sie mittlerweile bei der aktuellen
3.Generation mit ca. 10.000 - 15.000 Betriebsstunden nicht mehr ein Faktor,
der die Gebrauchfähigkeit des Bildverstärkers zeitlich einschränkt.
Unter militärischen Bedingungen wird entweder durch erhöhten Verschleiß
die Röhre vorzeitig unbrauchbar oder später aufgrund der technischen
Weiterentwicklung durch eine Aktuelle ersetzt.
In
einzelnen Fällen lohnt sich eine 'Wiederaufarbeitung' gebrauchter Bildverstärker
der 2. - 3.Generation für den zivilen Markt. Beim diesem sog.
'Reconditioning' wird die Steuerelektronik neu eingestellt und die
Röhre neu versiegelt. Allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben,
daß man über die weitere Lebensdauer einer solchen Röhre wenig
Verläßliches aussagen kann. Grundsätzlich kann man sagen,
daß eine Bildröhre mit üblicher Herstellergewährleistung,
welche nicht gleich zu Beginn ihres Einsatzes einen Defekt bekommt eine gute
Chance hat die volle Lebensdauer zu erzielen.
Da
auch jede neue Röhre wegen der schwierigen Herstellung sozusagen ein
Unikat im Rahmen zugelassener Leistungseigenschaften (Spezifikationen) ist,
gehört zu jedem fabrikneuen Bildverstärker ein Datenblatt
des Herstellers, auf dem die tatsächlich gemessenen Charakteristika
verzeichnet sind. Darauf sind sogar bestimmte Beeinträchtigungen, wie.
z.B. unvermeidliche, aber hinzunehmende Flecken vermerkt (Ein weiterer Grund
für die hohen Preise und Beleg für die Herstellungsschwierigkeiten
ist übrigens eine gewisse Menge an 'Ausschuß-Röhren' pro 'Qualitätsröhren',
die zwangsläufig mitproduziert werden). Auf dem Datenblatt für eine
Bildverstärkerröhre werden verschiedene gemessene Leistungs-Parameter
aufgeführt.
Um
eine Aussage über die Qualität der Röhre treffen zu können,
geben zunächst die Angaben zu der Empfindlichkeit
der Photokathode den ersten Hinweis. Unter normierten Bedingungen (Strahler
mit definierter Farbtemperatur von 2856° K) wird gemessen wie viele Elektronen
aus dieser Bestrahlung der Photokathode abgegeben werden, d.h. wie viel Strom
fließt. Angegeben in 'Mikroampere pro Lumen' (µA/L)
betragen die Werte mittlerweile für die modernste 3.Generation über
2100 µA/L (zum Vergleich: 1.Gen max. 150 µA/L, 2.Gen max. 600
µA/L, 3.Gen ab ca. 1000 µA/L). Besonders deutlich wird die hohe
Leistung einer GaAs-Beschichtung der Photokathode bei den Werten für
die Empfindlichkeit im Infrarotbereich. Gemessen
wird hier bei einer Wellenlänge von 830 nm in 'Milliampere
pro Watt' (mA/W). Aufgrund des hohen Infrarotanteils im nächtlichen
Restlicht sagt dieser Wert viel über die Ausnutzung der 'Lichtressourcen'
aus. In diesem Meßbereich sind die äußerst kleinen Werte
selbst für die 2.Generation von Röhren kaum mehr erfaßbar.
Dagegen erreichen die modernsten Röhren der 3.Generation Leistungen bis
ca. 200 mA/W.
Aufgrund
der Instabilität der
GaAs-Photokathodenbeschichtung ist bei der 3.Generation ein Schutzfilm
(Ionenbarriere) vorhanden, der leider auch die
Leistung dieser Beschichtung behindert. Sogenannte neuartige 'filmless / autogated
tubes' besitzen nicht / kaum mehr diese Ionenbarriere, sondern takten die
Stromversorgung in so kurzen Intervallen, daß die GaAs-Beschichtung
nicht mehr Schaden durch eventuell entstehende freie Ionen nehmen kann. Ob
diese Technik offiziell die Bezeichnung 4.Generation bekommt, wird aber auf
einer anderen Ebene entschieden.
Eine
weitere interessante Angabe betrifft das Auflösungsvermögen
eines Bildverstärkers. Ob z.B. zwei nebeneinander stehende, aber weit
entfernte Objekte noch tatsächlich als solche zu erkennen sind (und nicht
optisch zu einem verschelzen) ist ein Qualitätsmerkmal, welches in 'Linienpaare
pro Millimeter' (lp/mm) gemessen wird. Dabei wird über eine Standardtafel
die maximale Anzahl von eindeutigen Linienpaaren der Röhre pro Millimeter
Abbildungsfläche ermittelt. Zur Zeit haben Nachtsichtgeräte der
amerikanischen Streitkräfte i.d.R. eine Auflösung von min. 64 lp/mm
(im Vergleich: ältere 1. bis 2.Generation ca. nur um 25-40 lp/mm). Allerdings
sind auch schon Spitzenwerte von 78 lp/mm beispielsweise von europäischen
Herstellern erreicht worden. Jedoch nutzt eine hohes Auflösungsvermögen
allein nicht aus, um gut zu sehen.
Bei
der Umwandlung von Licht in Elektronen kommt es immer auch zu dem sog. Hintergrundrauschen,
daß sich als 'Grieseln' bemerkbar macht.
Gerade bei Situationen mit sehr wenig Restlicht (z.B. dichter Laubwald bei
Neumond) kann dieser Effekt das Bild dominieren und feine Helligkeitsunterschiede
überlagern. Das Verhältnis von Lichtinformation zum Hintergrundrauschen
wird als 'Signal To Noise Ratio' (S/N) auf dem
Datenblatt angegeben. Lag das Verhältnis noch bei der 2.Generation zu
Beginn bei 4,5 sind es bei der 3. über 20 mit Spitzenwerten um die 30.
Mit den Angaben über Lichtempfindlichkeit,
Auflösung und Rauschverhalten können
Bildverstärkerröhren schon recht genau in ihrer Leistung eingeschätzt
werden. Weitere
angeführte Meßwerte, wie z.B. das Maß für das Verhältnis
von aufgenommenen zu wiedergegebenen Informationen ('Modulare
Transfer Funktion', 'MTF'), bieten allerdings nur noch Detailinformationen
für eine Qualitätsbestimmung einer Röhre an.
Leider
wird oft eine bestimmtes Vielfaches an Lichtverstärkung als scheinbares
Kriterium für Nachtsichtgeräte genannt. Die
Lichtverstärkung ('Luminance Gain') ist zwar auch auf dem Datenblatt
verzeichnet, bezieht sich aber natürlich nur auf die Röhre und stellt
kein Vielfaches der Gesamtverstärkung des Lichts (Systemverstärkung),
sondern nur das Verhältnis von eingehender zu ausgehender Beleuchtungsstärke
dar (gemessen in 'footlambert per footcandela', 'fL/fc').
Eine Röhre der 1.Generation, die erstmal einen 'Lichtinformationsverlust'
von über zwei Drittel an der Photokathode aufweist, um anschließend
den kleinen Rest zu verzehnfachen, hat natürlich eine hohe interne 'Lichtvervielfachung',
aber trotzdem wahrscheinlich nur ein detailarmes Bild. Die dreistufigen Röhren
der 1.Generation sind einerseits sehr hell, aber leider multiplizieren sich
andererseits durch die Hintereinanderschaltung auch die Informationsverluste
(Prinzip "zu hell eingestellter Fernseher", kontrastarm).
Eine
Aussage zur Lichtverstärkung macht höchstens als Angabe der gesamten
Systemverstärkung eines Nachtsichtgerätes
Sinn. Eine ernüchternde max. 50-fache tatsächliche Lichtverstärkung
(der Bezug ist hier Umgebungshelligkeit zu Ausgangs-Helligkeit des Gerätes)
der einstufigen 1.Generation steht ca. 1000-fach, bzw. 2000-fach der 2. und
3.Generation gegenüber.
Die
oft angeführte Angabe über eine bestimmte Reichweite
eines Nachtsichtgeräts mit entsprechendem Bildverstärker
ist ebenso 'schwammig', da neben dem optischen Linsensystem die gesamten Bedingungen
vor Ort (Wolken, Mond, Temperatur, Luftfeuchtigkeit,
künstliche Lichtemissionen, etc.) schon in kleinsten Veränderungen
drastisch und schwer berechenbar in die maximale Beobachtungsreichweite eingreifen,
so daß nicht selten der angegebene Wert um weit mehr als die Hälfte
unterboten wird.
Da Bildverstärkerröhren immer eine kleine Informationsmenge zu einem
brauchbarem Bild verstärken sollen, können auch kleinste Schwankungen
in der Ausgangsituation zu unerwünschten Ergebnissen vervielfältigt
werden. Die herausragende Bedeutung einer Röhre zeigt sich auch im Anschaffungspreis:
Ca. 2/3 der Kosten für ein modernes Nachtsichtgerät entfallen auf
den Bildverstärker.


li:
1.Gen PC-P/24-11mm (RU), re: 3.Gen 18 mm (US)

Eine
geöffnete 18mm Röhre der 3.Generation: Um das eigentliche Röhrenmodul
herum ist die gesamte Steuerelektronik angebracht. An ihrer Unterseite sind
zwei Regler zum Einstellen der Röhre. Die MCP befindet sich im oberen
Modul-Drittel. Nahezu die Hälfte des Röhrenmoduls macht ein Glasfaserbündel
aus, welches bei den meisten Bildverstärkerröhren das kopfstehende
Bild um 180° dreht.

Datenblatt
für eine Bildwandlerröhre der 3.Generation der Firma Litton (jetzt
Northrop Grumman): Links sind mögliche Fehler der Röhre vermerkt
(Zonen für Flecken & allg. Mängel), rechts die gemessenen Werte
mit den Minima aufgeführt.

Die
USAF 1951 Standardtafel wird für die Ermittlung des Auflösungsvermögens
benutzt.

1.Gen:
große interne Lichterstärkung eines 'Rests'
3.Gen: geringere interne Verstärkung, aber durch günstigere 'Ausgangslage'
insg. besseres Ergebnis