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5.
Restlicht, elektromagnetische Strahlung
Ob Radiowellen,
Mikrowellen, Licht, Röntgenstrahlung oder Gammastrahlung - dies sind
alles Erscheinungsformen von elektromagnetischer Strahlung. Sie unterscheiden
sich durch ihre Wellenlänge (Frequenz).
Dies erklärt auch die unterschiedlichen Eigenschaften bezüglich
ihrer Beugung und Reflexion. Beispielsweise folgen Radio-Langwellen der Erdkrümmung,
während Mikrowellen sich geradlinig ausbreiten (z.B. Kommunikation Erde-Satellit-Erde).
Je höher die Frequenz einer Welle, umso höher ist auch ihre Energie.
Das menschliche
Auge kann nur einen kleinen Teil des elektromagnetischen Spektrums erfassen.
Zwischen 380 und 780 Nanometern (1 nm = 1.000.000.000stel
Meter) Wellenlänge sehen wir diese Strahlung als
Licht unterschiedlicher Färbung. Unterhalb von 400 nm liegt der
ultraviolette Bereich, oberhalb von 750 nm der
für NVD interessante, unsichtbare
infrarote Bereich, indem ein großer Teil der nachts vorhandenen
EM-Strahlung liegt. Als wichtigste "Restlicht"-Quellen gelten:
-
Mond
- Vollmond ca. 0,01 Lux, Neumond ca. 0,001 Lux
-
Sterne
- bei wolkemlosen Himmel ca 0,0001 Lux
-
künstliche
Lichtemissionen bzw. deren Reflektion an den Wolken, wie z.B. Städte
oder Autobahnen
Bei der Entwicklung
von leistungsfähigeren Nachtsichtgeräten wurde immer eine Verschiebung
in das tiefere IR-Spektrum angestrebt, um noch mehr vorhandene Strahlung nutzen
zu können. Aufgrund der niedrigeren Frequenz von infraroter Strahlung
gegenüber dem sichtbaren Licht ist auch mit (leicht) unterschiedlichem
Reflektionsverhalten zu rechnen. In der Tat erscheinen manche Materialien
und Objekte unter der Betrachtung mit einem Nachtsichtgerät im Vergleich
zur Ansicht tagsüber unterschiedlich kontrastierend (mehr Reflektion
oder Absorption von IR-Strahlung). Beispielsweise wirken bestimmte schwarze,
dunkle Oberflächen (mit dem bloßen Auge betrachtet) im monochromatischen
Bild eines Restlichtverstärkers auf einmal ungewohnt heller als z.B.
eine unter 'normalen' Lichtverhältnissen hell erscheinende Oberfläche.
Für
klassische Nachtsichtgeräte nicht mehr nutzbar befindet sich im tiefen
IR-Spektrum die Wärmestrahlung, deren Verteilung sog. Wärmebildkameras
(oder z.B. FLIR, Forward Looking Infra Red) für Darstellungen der Umgebung
nutzen. Wärmestrahlung ist prinzipiell immer vorhanden, sobald ein Objekt
eine Energie über dem absoluten Nullpunkt (ca. -273 °C) besitzt.
In der Praxis muß ein beobachtbares Objekt eine von dem Hintergrund
unterscheidbare Temperatur haben, um auf dem Schirm eines Wärmebildgerätes
sichtbar gemacht zu werden. Daher ist diese Technologie bestens geeignet zur
Auffindung von Wärme abstrahlenden Körpern (Nutzung z.B. für
Personenauffindung, Erkennung von Brandnestern, Materialschwächungen,
heißlaufenden Teilen oder zur mil. Zielerfassung). Es
entsteht bei dieser Art von Nachtsichtgeräten kein Bild der Umgebung,
wie man es zur Orientierung im Gelände braucht, sondern ein Bild, daß
die Temperaturdifferenzen deutlich macht. Unterschiedliche
Oberflächen mit gleicher Temperatur werden daher entsprechend kontrastarm
oder gar nicht dargestellt.
6.
Objektiv
Bevor
die Bildverstärkerröhre Restlicht verstärken kann, muß
dieses erst einmal 'eingefangen' und gesammelt werden. Eine gute Röhre
nutzt daher nicht viel, wenn das Objektiv eher einem Sperrfilter für
infrarotes Licht gleichkommt oder eine falsche Projektionsfläche aufweist.
Da die Röhre nur das vom Objektiv gesammelte und durchgelassene Restlicht
verstärken kann, ist es logisch, daß eine entsprechende Abstimmung
zwischen dem optischen und elektronischen Teil stattfinden sollte (Nachtsichtgeräte
sind auf jede einzelne Licht-Information angewiesen!). Die Aufgabe des Objektives,
möglichst viel Licht zu sammeln und ein Abbild der Umgebung auf den Bildverstärker
zu fokussieren, geht einher mit der Forderung nach einem guten Durchlassgrad
für IR-Strahlung, die das Linsensystem passieren muß. Weil
der hauptsächliche Arbeitsbereich von NVD-Objektiven statt im sichtbaren,
im unsichtbaren IR-Spektrum liegt und dessen Strahlung leicht veränderte
Eigenschaften aufweist (s. 5. Restlicht, elektromagnetische
Strahlung) kommen i.d.R. speziell vergütete, beschichtete Linsen
mit unterschiedlichen Brennweiten (kleine Werte bei Brillen, größere
Brennweiten bei Nachtsichtzielgeräten) zum Einsatz.
Links:
Verluste: Herausfilterung von IR-Licht, Reflektionen an den jeweiligen Grenzschichten
Rechts:
AN/PVS-7B mit Wechselobjektiv (Foto-Objektiv)
Beliebt
sind im zivilen Bereich auch Nachtsichtgeräte mit Objektiven, die ursprünglich
einmal für Fotokameras entwickelt wurden. Allerdings gibt es hierbei
auch einige Schwierigkeiten: Ein für Fotokameras geeignetes Objektiv
kann in Verbindung mit einem modernen Nachtsichtgerät dessen Leistungspotential
sogar verringern, da z.B. ein großer Teil der
IR-Strahlung von den Linsen reflektiert oder geschluckt werden kann.
Während beim Fotographieren mit viel mehr vorhandenem Licht gearbeitet
wird, muß man sich als Anwender von Nachtsichtgeräten vergegenwärtigen,
daß diese Geräte paraktisch immer im "Bereich des Mangels"
arbeiten müssen. Dies erklärt, warum auch optisch aufwendige Linsensysteme,
wie sie z.B. in Zoomobjektiven oder Objektiven mit großen Brennweiten
(starke Vergrößerung) vorkommen, i.d.R. für ein Nachtsichtgerät
nicht in Frage kommen - es sei denn, man kann den an jeder Linse auftretendem
Lichtverlust (u.a. Reflektionen) mit entsprechendem Objektivdurchmesser
begegnen (was aber wiederum zu großen und schweren Geräten führt,
Bsp. Objektive für die Astronomie). Im Gegensatz zu den aus der Fotographie
bekannten Wechselobjektiven gibt es für einige Nachtsichtgeräte
aufsteckbare Vergrößerungsobjektive. Nicht zuletzt wegen einer
möglichen Stickstoffüllung (verhindert Kondenswasserausfall und
ein Beschlagen der Optik von innen, bzw. trägt auch zur Langlebigkeit
der Röhre bei), der Verschmutzungsgefahr und der Dichtigkeit werden moderne
Nachtsichtgeräte als geschlossene Systeme gehandhabt. Jedoch kann
man den (wegen Verfügbarkeit, Zoomeigenschaften und Vielseitigkeit
beliebten) Einsatz von Foto- bzw. Wechselobjektiven bei NSGs der 1.Generation
noch vertreten, da sie meist noch keinen allzu großen Nachteil einbringen
(Arbeitsbereich Gen 1 auch zu erheblichen Teilen im sichtbaren Bereich).
Gerade
bei NSGs der 1.Generation sind Objektive mit einer
physischen Blende von Vorteil, da man so die
Röhre vor zu viel Lichteinfall je nach Situation (Dämmerung, Voll-
bzw. Neumond, Kunstlicht) durch manuelle Blendenwahl schützen kann. Verfügt
ein Objektiv nicht über eine physische Blende, so besitzt es zumindest
über eine relative Blende (als Maß
für die Größe der Öffnung des Objektives), welche über
die Lichtstärke entscheidet. Die rel. Blende
wird als sog. f-Wert des Objektives angegeben.
Je geringer der Zahlenwert dabei ist, desto größer ist die Lichtstärke
- mehr Licht kommt bis zum Bildverstärker durch. Ein f-Wert von ca. 1,4
sollte beispielsweise bei NVDs nicht überschritten werden. Ein Zoomobjektiv
oder ein Objektiv mit fester, hoher Brennweite zu finden, daß auch nur
in etwa einen solchen Wert erreicht, erkauft sich diese Lichtstärke durch
entsprechend großen Durchmesser und Gewicht (z.B. bei Sportfotografen
zu sehen). Es hat sich gezeigt, daß Brennweiten wesentlich über
100 mm (100 mm entspricht ca. 3-4 facher Vergrößerung) bei Nachtsichtgeräten
nur für spezielle Anwendungen (z.B. Überwachung auf hoher See, bzw.
im weitlläufigen Gelände) sinnvoll sind (komplizierte Optik für
hohe Vergrößerung bei guter Lichtstärke notwendig).
Extremes
Parabolspiegel-Objektiv im Größenvergleich mit einer AN/PVS-7B-Brille
Neben
den Lichtverlusten aus Exfiltration bestimmter Wellenlängen und allgemeiner
Lichtschwäche, können auch größere Lichtanteile einfach
durch eine zu große Projektionsfläche des Objektives verloren gehen.
Dabei wird das gesammelte Licht über den Rand des Bildverstärkers
hinaus fokussiert. Diese Teile der Lichtinformation stehen dann der Röhre
nicht mehr zur Verfügung. Gerade bei der Verwendung von Foto-Objektiven,
die meistens für 35 mm Negative konstruiert sind, geht weit über
die Hälfte (!) des Lichts auf diese Weise verloren, weil die Oberfläche
der Photokathode moderner Gen 2 & 3
Bildverstärker nur einen Durchmesser von 25 oder 18 mm hat.
Der
Einsatz von besonders lichtstarken, infrarotdruchlässigen Objektiven
(speziell vergütet) mit möglichst wenigen
Linsen (d.h. verlustreichen Übergängen zwischen
festen und gasförmigen Medien) ist bei modernen militärischen
Nachtsichtgeräten mittlerweile selbstverständlich. Beispielsweise
wird die aktuelle amerikanische Nachtsichtbrille AN/PVS-7B/D serienmässig
mit einem kleinen, aber sehr lichtstarken (f 1.17, 26 mm) Objektiv von hoher
IR-Durchlässigkeit ausgeliefert. Für dieses Gerät gibt es als
Zubehör Spezialobjektive ('afocal') mit höherer Brennweite, so daß
Vergrößerungen von 3-5 fach durch einfaches Aufstecken auf das
Standardobjektiv erreicht werden. An der Aufweitung des Vorsatzobjektivs ist
zu erkennen, daß den Lichtverlusten auch hierbei mit größeren
und damit schweren Linsen begegnet wird. Desweiteren ist erst aufgrund des
verbreiteten Einsatzes von Gen 3 Röhren in
dieser Nachtsichtbrille (in Ausnahmen gibt es noch alte Gen
2 Röhren für dieses seit den späten 80er Jahren an die
US-Streitkräfte ausgelieferte System) ein brauchbares, vergrößertes
Abbild möglich. Allerdings ist die AN/PVS-7 mit Vorsatzobjektiv etwas
unhandlich und auch schon wegen dem Gesamtgewicht (und dem großen Hebelarm)
nicht mehr als Nachtsichtbrille zu verwenden, sondern eher für relativ
standortgebundene Beobachtungen geeignet. Dasselbe Vorsatzobjektiv kann auch
mit dem Monokular AN/PVS-14 verwendet werden.
Bei 1-facher Vergrößerung und einem großen Blickwinkel (40°-50°)
können die Objektive moderner Nachtsichtbrillen recht klein gehalten
werden. Die Einstellung der Schärfe erfolgt manuell
und reicht meistens von ca. 25-50 cm bis unendlich. Schon ab kurzer Entfernung
muß aber nicht mehr fokussiert werden (Einstellung auf unendlich). Im
Nahbereich (z.B. Kartenlesen) ist dagegen die Schärfentiefe begrenzt
und es muß öfters nachfokussiert werden. Besonders bei Nachtsichtgeräten
aus osteuropäischem Militär-Bestand ist das Objektiv öfters
als sog. Fixfokus-Objektiv ausgeführt. Dabei
wird nach einem gewissen Mindestabstand das beobachtete Objekt immer scharf
abgebildet, ohne daß eine Möglichkeit zur manuellen Scharfstellung
gegeben ist. Das mit einem Fixfokus-Objektiv eigentlich nur ein begrenzter
Bereich einwandfrei scharf gesehen wird, ist in der Praxis aufgrund der sowieso
eingeschränkten Beobachtungsreichweite
(meist unter 200 m) unerheblich. Jedoch zeigt sich der Nachteil dieser Konstruktion
in einem einzuhaltenden Mindestabstand von ca. 5-15 Metern, innerhalb dessen
alles unscharf zu sehen ist. Mag dieser Umstand bei vergrößernden
Beobachtungsgeräten noch nicht von Bedeutung sein, ist beispielsweise
ein Schärfebereich ab 10 m (trotz 1-facher Vergrößerung) bei
einigen osteuropäischen Nachtsichtbrillen problematisch. Wenn man also
mit diesen (älteren) Nachtsichtbrillen den Untergrund vor den Füßen,
oder die nähere Umgebung genauer betrachten will, so hat man schlechte
Karten (die im übertragenen Sinn damit ebenso nicht zu lesen sind). Die
militärischen Vorteile bei Fixfokusobjektiven liegen in ihrer Robustheit
und Unempfindlichkeit im feldmäßigen Einsatz. Bei einigen Objektiven
dieser Gattung kann mit speziellen Abstandsringen ein unterschiedlicher Schärfebereich
werksseitig eingestellt werden.
Auf jeden Fall sollte auf die Glasqualität des
Objektivs, bzw. Vergütung der Linsen von Nachtsichtgeräten
geachtet werden. Auch so mancher westlicher Hersteller hat in der Vergangenheit
für den zivilen Markt schon erstklassige, teure Röhren in billige
Gehäuse mit Kunststoff-Linsen (kratzfest?) verbaut. Es ist sehr fragwürdig,
ob damit das Potential der Röhre voll ausgenutzt wird.

Das
sichtbare Licht ist nur ein kleiner Ausschnitt des gesamten elektromagnetischen
Spektrums. Die Kurve verdeutlicht die Empfindlichkeit des menschlichen Auges
innerhalb der verschiedenen Wellenlängen. Dabei wird die Farbe Grün
in ca. doppelt so vielen Abstufungen wahrgenommen als beispielsweise die Farbe
Rot, weswegen die meisten Nachtsichtgeräte ein grünes Bild liefern.
Je nach verwendetem Phosphorgemisch sind auch andere Farben für andere
Anwendungen (Cockpit-Beleuchtung) möglich.

Speziell IR-korrigiertes AN/PVS-7B Objektiv (1x)

Nachtsichtzielfernrohr
AN/TVS-5 (6,5x, Range 1,2 km): Eine hohe Vergrösserung bedeutet zwangsläufig
Lichtverluste. Ausgeglichen werden sie durch große Linsen (Parabolspiegelobjektiv).

Im Vergleich
der beiden russ. Filin-Nachtsichtgeräte (Gen 1: links 2-fach, rechts
7-fach) werden die einhergehenden Nachteile von starken Vergrößerungen
schon von außen deutlich

AN/PVS-7D
mit 3x-Vorsatzobjektiv (75 mm, f 1.5)

Die GN2 hat durch
ihre Kompaktheit ein kompliziertes optisches System. Fokussiert wird über
einen Hebel.
wechselnde
Lichtverhältnisse
Wärmebild,
hier: warm=weiß