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8.
Okular
Das
Okular eines Nachtsichtgeräts hat zuerst die Aufgabe das von der Bildverstärkerröhre
produzierte Abbild der Umgebung zu vergrößern. Dabei beträgt
die übliche Vergrößerung einen
Faktor von 8- bzw. 10-fach.
Wie
bei einem Fotoapparat hat das menschliche Auge sozusagen eine variable Blende.
Bei einem der Dunkelheit angepasstem Auge beträgt der maximale Pupillendurchmesser
ca. 7 mm. Das vom Okular projizierte Abbild sollte bei dem vorgegebenen Abstand
zum Auge größer als 7 Millimeter sein, damit eine Bewegung
des Auges innerhalb der Projektion möglich ist. Wäre es kleiner
als der Pupillendurchmesser würde das Bild als zu dunkel empfunden werden.
Wäre es gleichgroß würde man gezwungen sein das Auge starr
zu halten und nur über die Kopfbewegung die Szenerie zu erfassen. Mit
der Zeit stellt sich dabei nicht nur eine Ermüdung der Muskulatur ein.
Die
richtige Dimensionierung, bzw. Anpassung des Okulars an das Nachtsichtgerät
ist auch wichtig, wenn man sich die unterschiedlichen Ausgangsfenster der
Bildverstärkerröhren ansieht. Es gibt gewölbte
oder flache (Glasfaser-) Ausgänge, die das
Bild mal aufrecht oder umgekehrt abbilden. Wenn das Okular nicht für
den jeweiligen Schirm angepaßt ist, kann beispielsweise eine starke
Randunschärfe auftreten (Allerdings ist
bei den meisten Geräten der 1.Generation die Bildverstärkerröhre
für die berüchtigte Randunschärfe hauptsächlich zuständig).
Neben
der Aufgabe das Bild eventuell umzukehren sollte ein Okular auch dazu geeignet
sein eine mögliche Fehlsichtigkeit beim Benutzer auszugleichen (Dioptrieneinstellung),
damit dieser auch ohne Brille durch das Gerät scharf sieht. Bei sogenannten
'Panorama-Okularlinsen' ist dies nicht möglich. Sie sind als Kompromißlösung
zwischen dem Anspruch einer Beobachtung mit zwei Augen und relativ günstigen
Herstellungskosten zu sehen, bieten aber trotzdem eine angenehme und meist
gute Beobachtungsqualität.
Für NSG der 0. und 1.Generation
ist es vorteilhaft, wenn das Okularglas spezielle Zusätze (z.B. Bleiglas)
zur Abschirmung von produzierter Röntgenstrahlung
vorweisen kann.
Bei
dem Material eines Okulars (Glas oder Kunststoff)
ist i.d.R. trotz des höheren Gewichts Glas wegen der besseren optischen
Güte der Kunststofflinse vorzuziehen. Zudem ist oftmals Kunststoff anfälliger
für temperaturbedingte Materialausdehnungen und Kratzer. Als Schutz vor
äußeren, mechanischen Einwirkungen werden moderne Rechtlichtverstärker
an Objektiv und Okular mit Schutzfenstern ausgestattet.
Am Okular dienen sie noch einem weiteren Zweck: Bei feucht-kaltem Wetter verhindern
sie weitgehend das Beschlagen der (kalten) Optik
von außen aufgrund der isolierenden Luftschicht zwischen Schutzglas und
Okular. Ein Beschlagen der Optik von innen wird oftmals durch eine Stickstofffüllung
des kompletten Nachtsichtgeräts verhindert.
9.
Infrarotstrahler
Militärische
Anwender und Spezialeinheiten stehen meistens im Gegensatz zu den zivilen
Anwendern von Nachtsichtgeräten der Benutzung von zusätzlichen Infrarotstrahlern
(IR-Strahler) mit Ausnahme von IR-Designatoren ablehnend gegenüber. Ihre
Erfahrungen mit Systemen der 0.Generation, den aktiven Nachtsichtgeräten,
beschleunigten die Entwicklung von Restlichtverstärkern die ohne einen
verräterischen IR-Strahler auskommen. Ist eine Infrarotlichtquelle meist
nur auf kurze Entfernung und bei direktem Blick in den Strahl mit bloßem
Auge zu sehen, stellt sie ein 'Positionslicht'
für den mit Nachtsichtgeräten ausgerüsteten Gegner dar. Außerdem
braucht man für große Beobachtungdistanzen
einen leistungsfähigen Strahler, der wiederum meistens Probleme mit der
Größe oder dem Gewicht
seiner Stromversorgung mit sich bringt.
Daher haben viele militärische Nachtsichtgeräte nur eine kleine
zuschaltbare Infrarot-LED, die das Kartenlesen
auf kurze Entfernung oder die Orientierung in Räumen
ganz ohne Restlicht ermöglicht (wobei wegen des eingeschränken Sichtfeldes
und der gegnerischen Blendung mit starken Weißlichtlampen innerhalb
von Gebäuden Nachtsichtgeräte meistens gar nicht zum Einsatz kommen).
Jedoch
kann der zivile Anwender durchaus mittels IR-Strahlern z.B. bei der Sicherheitsüberwachung
oder Naturbeobachtung die Effektivität seines Nachtsichtgerätes
verbessern. Da die verscheidenen Generationen von Nachtsichtgeräten auch
unterschiedliche Arbeitsbereiche innerhalb des elektromagnetischen Wellenspektrums
aufweisen, sollte ein zusätzlicher IR-Aufheller
immer der Wellenlänge der
jeweiligen Generation des Nachtsichtgerätes
entsprechen.
Gerade bei der 1.Generation mit ihrem Schwerpunkt im nahen sichtbaren Bereich
(um 780 nm) würde ein IR-Strahler, der für nachfolgende Generationen
konzipiert wurde, wenig effektiv sein. Einen geeigneten Aufheller für
die 1.Generation sieht man deshalb allerdings noch mit bloßem
Auge dunkelrot leuchten. Bei großen Reichweiten (z.B. über
100 m) muß man auch bedenken, daß sich der Leistungsbedarf und
damit der Stromverbrauch zu einer linearen Steigerung der Ausleuchtung exponentiell
verhält. Falls dann noch Reflektionen an nahestehenden Hindernissen auftreten,
kann der Bildverstärker überlastet und der auszuleuchtende Hintergrund
überstrahlt werden (Fokussierungsmöglichkeit?).
Leider sind nur wenige Infrarotstrahler mit einer Leistungsschaltung
ausgestattet, welche nicht nur flexibler, sondern auch stromsparender eingesetzt
werden kann.
Grundsätzlich
gibt es drei Kategorien von IR-Aufhellern: Infrarot-LEDs,
Infrarot-Laser und Strahler mit Infrarotfilter.
- IR-LEDs
haben zwar die geringste Reichweite, aber dafür eine sehr gleichmäßige
Ausleuchtung. Sie sind meistens ver der Bauart her vorfokussiert und haben
einen sehr geringen Stromverbrauch. Durch einfaches
Zusammenschalten kann leicht eine variable Aufhellungsleistung erreicht
werden. Sie eignen sich wegen ihrer kleinen Bauweise auch hervorragend als
Markierungsmittel.
- Infrarot-Laser
haben die Eigenschaft gebündeltes monochromatisches
Licht (d.h. Infrarotlicht mit nur einem definiertem Ausschnitt aus
dem Wellenspektrum) abzugeben. Im hohen IR-Bereich sind sie auch für
nachtaktive Tiere unsichtbar und können durch scharfe
Bündelung an Hindernissen vorbei mit hoher Reichweite tiefer
ausleuchten. Der Stromverbrauch und die Baugröße sind i.d.R.
nicht erheblich.
Sie haben allerdings auch den großen Nachteil, daß mache IR-Laser
aufgrund der hohen Energiedichte irreparable Schäden
am Gerät und an der Netzhaut (!) verursachen können (Reflektionen
durch bestrahlte Objekte). Ein besonderes Problem ist dies wegen seiner
Unsichtbarkeit mit dem bloßen Auge: Verbrennungen der Netzhaut werden
nicht während der Bestrahlung bemerkt, sondern erst als eingetretener
Schaden!
- Eine
einfache Taschenlampe mit Infrarotfilter ist
in vielen Fällen eine ernste Alternative, wenn eine IR-Zusatzbeleuchtung
benötigt wird. Eine höhere Reichweite als eine IR-LED ist meistens
genauso wie Fokussierbarkeit gegeben. Zudem eignet sich diese Kombination
für Geräte jeder Generation, da (je nach Durchlasseigenschaften
des Filters) von der Taschenlampe nahezu alle Wellenlängen
gleichmäßig abgestrahlt werden. Sehr praktisch ist es außerdem
wenn der Filter ohne weiteres in der Dunkelheit aufklappbar
ist. Jedoch sollte der Hitzentwicklung unter dem Filter Beachtung geschenkt
werden, so daß es nicht zu Schäden an der Taschenlampe oder am
Filter kommt.



Ausnahme: Bei der AN/PVS-7B kommt eine sog. 'Non-Inverting'-Röhre zum
Einsatz, die das kopfstehende Bild nicht umdreht, da die nachfolgende Optik
(Kollimator) dies übernimmt. Beide Okulare verfügen über jeweils
eine Dioptrieneinstellung und sind im Abstand zueinander einstellbar.

von
links nach rechts: LED-Illuminator für 1.Gen, IR-Laser (teilweise auch
als IR-Designator zu fokussieren), aufklappbarer IR-Filter für Taschenlampen,
IR-Dioden zum Aufbau von IR-Kleinstrahlern

Neben den IR-Beacons setzen westliche Streitkräfte auch Infrarot-Knicklichter
zu Markierungszwecken ein (teilweise reicht ihre Helligkeit auch zur Orientierung
in unmittelbarer Umgebung).